Tolgahan Kilit verließ mit 14 Jahren unseren Landkreis um Profifußballer zu werden. In zwei Teilen erfahrt ihr wie es der heute 35-jährige auf dem zweiten Weg in den Profifußball geschafft hat. Die bewegende Geschichte lest ihr hier.

Der im Jahr 1988 in Bad Gandersheim (wo seine Eltern noch heute leben) geborene und aufgewachsene Kilit spielte von der G- bis zur D-Jugend für Grün-Weiß Bad Gandersheim, ehe er sich über die Kreis- und Niedersachsenauswahl in die Notizblöcke einiger Clubs aus dem Norden gespielt hat. »Wir entschieden uns für den Hamburger SV und somit bin ich in die U14 des HSV gewechselt und nahm dort einen Platz im Internat ein. Bis heute bin ich der jüngste Internatsspieler«, blickt Kilit zurück. Bereits als 16-jähriger trainierte der Deutsch-Türke hin und wieder bei den HSV-Profis mit und sammelte wertvolle Erfahrung.

Tolga Kilit (weißes Trikots) im Trainingsspiel gegen die HSV-Profis Stefan Beinlich und David Jarolim.

Als regulärer U17-Spieler des Clubs war Kilit dann bereits Stammspieler in der U19. »Nach einem wiederholten Fehltritt meinerseits verließ ich den HSV und wechselte zum FC St. Pauli, da ich mich allgemein in der Stadt Hamburg sehr wohlfühlte. Bei St. Pauli hatte ich aber das Gefühl, dass ich stagniere und suchte somit erneute eine sportliche Veränderung. Letzten Endes entschied ich mich für Holstein Kiel, da ich dort das Gefühl hatte, freier aufspielen zu können und ich konnte in Hamburg wohnen bleiben, was die Entscheidung pro Kiel, es mir dann nochmal leichter machte«, berichtet der 35-jährige von seinen vielen Transfers binnen kurzer Zeit.

In Kiel konnte der zentrale Mittelfelspieler dann wieder sportlich Akzente setzen und erhielt aus unterschiedlichen Ländern (Deutschland, Schweiz, Österreich und der Türkei) sowohl sportlich attraktive als auch finanziell lukrative Angebote.

Ich entschied mich für Trabzonspor, was sich im Nachhinein als falsch erweisen sollte.

Tolgahan Kilit über seinen ersten Profitvertrag

»Nur wenige Spieler erhalten in ihren Clubs oder woanders aus der U19 kommend Profiverträge. Mir lag eben jener vor, hinzu kam der sportliche Ansatz, sich bei einem absoluten Top-Club aus der Türkei, der nahezu jedes Jahr international spielt, durchzusetzen. Hinzu übertraf der finanzielle Rahmen weitestgehend meine Vorstellungen, somit war für mich die Entscheidung relativ früh klar, dass ich das machen wollte«, erklärt Kilit den Wechsel in die Türkei.

»Letzten Endes kommt es immer anders, als man denkt. Nach einem super Start in der Vorbereitung erfolgte schon die erste Hiobsbotschaft. Anfang der zweiten Trainingswoche rief mich der Trainer zu sich ins Büro, der offenbar wissen wollte, wer mein Berater sei. Am nächsten Tag, ehe ich mich versah, wurde ich bereits ohne mein Einverständnis verliehen. Auf die Frage warum, ließ mein damaliger Berater verlauten, dass es ein Problem zwischen ihm und dem Trainer gegeben habe und ich als Konsequenz somit zum »Opfer« dieser Auseinandersetzung gefallen wäre. Ich persönlich fiel aus allen Wolken und zog mir infolge dessen in der Vorbereitung, während meiner Leihe, einen Knorpelschaden zu, von dem ich mich nie erholen sollte. Nach knapp zwei Jahren in der Reha hat mein Knie leider immer noch auf gewisse Belastungen negativ reagiert, womit für mich das Kapitel Profifußball beendet war, bevor es begonnen hatte«, blickt der heute 35-jährige auf den damaligen Rückschlag zurück, in jungen Jahren den Profifußball abhaken zu müssen.

Kilit (links) im Trainingsdress von Trabzonspor.

In den Zwischenjahren war Tolgahan dann wieder in Bad Gandersheim wohnhaft. Spielte bei Grün-Weiß und war dort auch als Jugendtrainer tätig. Beim Bezirksligisten SV Emekspor Langelsheim fungierte Kilit dann als Spielertrainer, ehe er dann 2021 nach Hamburg zurückzog und bei einem guten Freund in die Spielerberateragentur mit einstieg. »Ich bin während Corona da so reingerutscht«, berichtet Kilit über den eher zufälligen Neuanfang.

Erfahrt im zweiten Teil, wie der 35-jährige als Head of International Relations and Scouting zum türkischen Erstligisten kam, wie sein Arbeitsalltag aussieht und wie er das verheerende Erdbeben in Hatay mit zahlreichen Todesopfern erlebt hat.