Beim Landesliga-Spiel zwischen dem MTV Gifhorn und FC Eintracht Northeim (2:1) kam es zu massiven verbalen Entgleisungen. Ein Gifhorner Spieler beleidigte Northeims Trainer und Sportlichen Leiter Philipp Weißenborn nach dem Siegtreffer sowie nach dem Schlusspfiff mehrfach auf übelste Weise und bezog dabei sogar dessen privates Umfeld mit ein. Die Vorfälle wurden durch Videoaufnahmen dokumentiert und später von Weißenborn in den sozialen Medien veröffentlicht.

Besonders belastend für den Northeimer Coach: Seine beiden Söhne waren im Stadion und mussten die Beleidigungen ebenfalls miterleben. Weißenborn entschied sich deshalb bewusst dafür, die Szenen öffentlich zu machen. Was danach folgte, wirft jedoch ein schlechtes Licht auf die Beteiligten. Dass Gifhorns Sportlicher Leiter Tobias Krull die Vorfälle gegenüber der Braunschweiger Zeitung relativierte und die Aussagen mit der Emotionalität eines Fußballspiels erklärte, ist ein Armutszeugnis. Natürlich gehören Emotionen zum Sport. Persönliche Beleidigungen und Angriffe auf das private Umfeld eines Menschen haben auf einem Fußballplatz jedoch nichts verloren.

Vor allem von einem Verein mit den Ambitionen und Strukturen des MTV Gifhorn darf erwartet werden, dass ein solcher Vorfall intern konsequent aufgearbeitet wird. Noch wichtiger wäre ein persönlicher Anruf bei Philipp Weißenborn gewesen, um sich für das Verhalten zu entschuldigen. Stattdessen entstand der Eindruck, dass die Geschehnisse heruntergespielt werden. Kommunikativ war das ein denkbar schlechter Auftritt.

Auch der Niedersächsische Fußballverband hinterlässt in diesem Fall Fragen. Erst vor wenigen Wochen wurden Videoaufnahmen herangezogen, um die Sperre des Trainers vom Bovender SV zu verlängern, da dieser sich trotz Sperre zu lange bei der Mannschaft aufgehalten haben soll. Nun liegen erneut und diesmal eindeutige Videoaufnahmen vor, doch weitere Ermittlungen sollen ausbleiben. Diese unterschiedliche Bewertung wirkt zumindest schwer nachvollziehbar.

Wer Respekt und Fairness im Fußball einfordert, muss diese Grundsätze auch konsequent verteidigen. Genau daran mangelt es in diesem Fall – sowohl auf Vereins- als auch auf Verbandsebene.